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Rund ums Rad
Radreise von Gräfenberg nach Pringy (Frankreich)

Nach zehn Jahren machte ich mich zum zweiten mal auf, um mit dem Rennrad zum Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Gräfenberg (Fränkische Schweiz) und Pringy (Haute Savoie, Frankreich) zu fahren. Hier ein kleiner Reisebericht und ein paar Bilder der Radreise.

Am 18.08.2007 machte ich mich auf um nach zehn Jahren noch einmal die Strecke Gräfenberg- Pringy zu fahren.

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1997 bereits zum erstenmal versucht kam ich mit meinen Weggefährten Bernd Müller und Udo Kunzmann bis ins berühmte Heididorf Maienfeld und musste dann, verletzungsbedingt, mit dem Zug weiter. Allerdings nicht wie Heidi nach Frankfurt sondern über Zürich nach Genf, von wo aus ich nur noch 42 Kilometer nach Pringy zu trampen hatte.

In Sollenberg, einem Ortsteil von Gräfenberg, startete ich am Samstag früh in Richtung Nürnberg. Die Frankenmetropole erreichte ich sehr schnell. Genau so schnell hatte ich sie in Richtung Fränkisches Seenland wieder verlassen. Am Brombachspeicher ging es vorbei ins  Donauries. Von Nördlingen bis Ulm gönnte ich mir eine kurze Verschnaufpause im Zug, da es begonnen hatte zu regnen. Von Ulm hatte ich dann aber immer noch ca. 40 Kilometer an der Donau und Iller entlang bis nach Osterberg wo mich meine Tante mit Spätzle und anderen kraftspendenden Leckereien erwartete.Nach einer kurzen Nacht und ca. 165 Radkilometern ging es am zweiten Tag durch das schöne Allgäu bis zum Bodensee. Die erste Etappe war vieleicht etwas lang zum eingewöhnen auf dem Rad, so dass ich laufend mit mir haderte ob ich nun wieder in den Zug steigen oder weiterfahren sollte. Nachdem ich so ca. dreieinhalb Stunden mit mir gekämpft hatte war ich auch dem Bodensee ein ganzes Stück näher gekommen. Der Schweinehund auf meiner Schulter hat mich überredet mal am Bahnhof zu checken wann denn ein Zug in Richtung Bodensee fährt. Nachdem der Fahrplan aber erst eine Stunde später zum Zug rief, dachte ich mir die Stunde könnte ich auch noch radeln. Ein freundlicher Herr auf dem Rennrad erklärte mir dann das er sowieso in Richtung Bregenz unterwegs sei und ich könne mich gerne hinten "anhängen". Beim Anblick seiner Waden schien mir das, trotz seines Alters, keine so gute Idee. Doch er zerstreute meine Bedenken mit "...sie sind doch noch jung, das klappt schon." Nach der ersten Steigung wusste er dann auch was ich meinte und passte sein Tempo, besonders am Berg, an. So zog er mich dann bis nach Bregenz und verabschiedete sich mit einem freundlichen "...muß mich beeilen das Wetter wird schlechter" und sprintete weiter. Danke nochmal. Ich habe mich dann erst einmal in einem schönen Lokal erholt und war fast nicht böse als es zu blitzen und donnern begann und die ersten Riesentropfen auf die Strasse platschten. Bei so einem Wetter ist der Zug doch gemütlicher und so bin ich dann bis Dornbirn in Österreich mit dem Zug gefahren. Ich wollte direkt in Dornbirn ein Plätzchen zum übernachten suchen, das dauerte dann aber doch noch zehn Kilometer bis nach Liechtenstein hinein. Sodas ich am Ende des zweiten Tag auch wieder ca. 120 km auf dem Rad verbracht hatte. Dies hielt ich am Morgen auf Grund meiner Motivationslage noch für unmöglich. Na denn, gute Nacht.

Der dritte Tag begann mit trüben Aussichten, es regnete in Strömen so dass ich mir reichlich Zeit zum frühstücken ließ. Wie jeden Früh überprüfte ich mit der kleinen Standpumpe Turbo Morph von Topeak den Reifendruck, um sicher zu gehen das es nicht am Druck in den Reifen, sondern am Druck der Oberschenkel auf die Pedale liegt, wenn es bergauf immer schwerer wird. Ich fuhr die ersten Kilometer im Regen der immer weniger wurde so dass ich bald die Regenklamotten ausziehen konnte. Ich kam dann so langsam in Fahrt und durchquerte Liechtenstein, wo ich natürlich die Burg derer von Liechtenstein ausgiebig fotografierte. In Balzers verlies ich das Fürstentum und kam, mit der Aussicht auf die erste nennenswerte Steigung, in die Schweiz. Der Sankt Luzisteig war vor zehn Jahren der erste und letzte Berg bei meinem damaligen Versuch nach Frankreich zu fahren, diesmal sollte es schon weiter gehen. Ich hatte den Hügel steiler in Erinnerung da ich damals ja nur noch ein vernünftiges Knie zur Verfügung hatte. Von Balzers zum St. Luzisteig sind ca. 250 Höhenmeter auf 5,1km verteilt, danach macht man die Höhe sehr schnell wieder zu nichte denn es geht direkt wieder hinunter ins Rheintal, nach Maienfeld, von wo aus Heidi im Roman mit dem Zug nach Frankfurt gefahren ist. Ich diesmal per Rad in die entgegengesetzte Richtung nach Landquart und weiter das Rheintal aufwärts nach Chur. In Chur machte sich langsam aber sicher mein Hinterteil bemerkbar, trotz toller Radhose und intensiver Pflege mit Gesäßcreme. Ich suchte einen sehr guten großen Fahrradladen auf und kaufte mir eine neue Radhose die ich auch sofort anzog und mit deutlich weniger Schmerzen weiterradelte, stramm zu auf Bonaduz. Wenn jemand glaubt es gehe verhalten, am Rhein, Fluß aufwärts der sei hier gewarnt.Der Rhein musste sich hier nach einem Felssturz vor mehreren tausend Jahren seinen Weg bahnen so dass eine sehr steile Schlucht entstand, in der gerade Platz genug für die Bahnlinie ist und die Strasse sich über viele Serpentinen auf ca. 1000 Meter schlängelt. Da ich ja zum Glück keinen Zeitdruck hatte konnte ich langsam von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt fahren und die überwältigenden Blicke in die Rheinschlucht geniesen. Das man auf der Höhe nicht bleibt war nach einem genauen Blick auf die Karte klar, also wieder runter ins Tal und die Talfahrt anständig geniesen denn danach sollte es ja weiter bergauf in Richtung Oberalppass gehen. Im Tal angekommen fing es wieder an zu regnen. also entschloss ich mich erstmal in einem Cafe einen solchen zu mir zu nehmen. Der Regen wurde stärker und laut Fahrplan sollte demnächst ein Zug nach Disentis/Muster starten. Also Schluß für heute und Morgen an den Pass ran und rüber.

In Disentis war ich nach einer Nacht in einem netten Hotel gut erholt und machte mich auf den Weg in die Höhe. Heute sollten ja der Oberalbpass und wenn alles gut geht der Furkapass überradelt werden. Ich schaffte es trotz sehr tief hängender Wolken immer wieder ein paar wunderschöne Blicke ins Tal zu erhaschen. So langsam gewann ich an Höhe und es regnete auch nicht, so dass ich keinen Grund hatte in den Zug zu steigen, ich fuhr also am letzten Bahnhof vor der Passhöhe mutig vorbei und war stolz auf mich. Kaum fünf Minuten nach dem Bahnhof fing es dann an zu regnen, aber vor der Passhöhe wollte ich nicht bergab fahren, also naß über den Berg. Auf dem Pass regnete es in Strömen und ein recht unterkühlter Radler stand im Vorraum der Wirtschaft und rieb sich dauernd die Hände. Ich habe dann die obligatorischen "Passfotos" gemacht und fand am Pass selber nichts aufregendes. Das aufregendste war sowieso in mir und zwar der Stolz den ersten Pass gemeistert zu haben. Jetzt aber schleunigst nach Andermatt und sehen was der Furka an Wetterkapriolen zu bieten hat. In Andermatt war mir so kalt von der langen und klatschnassen Abfahrt dass ich mich im Bahnhofsgebäude auf den Heizungen erst einmal ausbreitete. Die freundlichen Angestellten von der Schweizer Bahn zeigten mir dann Bilder von der Passhöhe des Furka mit zwanzig Zentimeter Schnee. Nach dem wir geklärt hatten das die Bilder einer aktuellen Webcam und nicht die Aufnamen von Weihnachten waren stand mein Entschluß schnell fest den Furka mit Hilfe der Bahn hinter mich zu bringen. Landschaftlich vernachlässigbar da zu 98% im Tunnel, aber die Heizung im Zug funktionierte hervorragend. Bis der Zug in Oberwald wieder aus dem Berg kam und ich diesen auch verlies war das Wasser in meinen Radklamotten wieder so warm das man sie angenehm tragen konnte. Es regnete auch auf der anderen Seite des Furka weiter das ich fast versucht war wieder in den Zug zu steigen. Aber ich wollte doch bergab nicht Zug fahren, sondern die Strecke mit dem Rad geniesen. Also weiter im leichten Regen, war sowieso alles nass. Die Mühe wurde belohnt, auch wenn das Rhonetal nicht sofort und direkt steil abfällt so ist doch gewiss, irgendwann gehts nach unten. Bis dahin war ich von einigen Gegenanstiegen wieder auf eine vernünftige Betriebstemperatur gebracht worden und zur Belohnung schien dann auch noch die Sonne wärend die Rhonetalstrasse sich langsam bergab neigte. Das obere Tal der Rhone ist landschaftlich wirklich sehenswert im unteren Teil schlägt die Zivilisation voll zu und das Radfahren macht nur wenig Spass auf den großen Strasse so das ich in Visp erst mal ein Hotel suchte um meine sieben Sachen zu reinigen und zu trocknen.

 Am fünften Tag dann beschloß ich das Rhonetal schnell hinter mich zu bringen und nutzte noch einmal für ein paar Kilometer die Bahn. In Martigny setzte ich mich dann wieder aufs Rad und strampelte dem Genfer See entgegen und das bei Traumwetter. Am See ging dann die Strasse direkt am See entlang und das bei kaum auf und ab, genau das was ich schlecht Trainierter nach den Bergen brauchte. Nach der Grenze zu Frankreich gönnte ich mir ein Crepes und einen Cafe au Lait, nach dieser Stärkung reifte in mir der Entschluß die Tour heute zu Ende zu bringen ich radelte plötzlich wie beflügelt Richtung Evian, dass Mancher des Wassers wegen kennen dürfte. An Evian les Bains vorbei und weiter in Richtung Zielort Pringy. Ich kannte die Gegen ganz gut und mir war klar das es noch einige Kilometer sein würden aber von Bergen war in meiner Kopfkarte nix mehr zu sehen, die echte Karte ignorierte ich leichtsinnig. Nach vielen zügigen Kilometer in Haute Savoie merkte ich wie ich so langsam gegen einen Bergrücken fuhr der sich nirgends teilen wollte um die Strasse gnädig, in gemässigter Höhe passieren zu lassen. Noch ein paar suchende Kilometer und es war bittere Gewissheit, dass ich wohl oder übel nochmal ein kleines Pässlein zu überwinden hatte, nämlich den Col dÉvires mit 810 Metern. Ich habe mir dann die Karte nochmal genau betrachtet und durfte feststellen das es nun fast ausschließlich bergab ging bis nach Pringy. Dort angekommen wurde die Ankunft dann drei Tage lang mit deutschen und französischen Freunden im Rahmen des zwanzigjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Gräfenberg und Pringy gefeiert. Ob ich es nochmal versuche weiss ich noch nicht es gibt sicher noch viele schöne Ecken in Europa die beradelt werden können. Nach fünf Tagen und 550 km auf dem Rad war ich wieder gut trainiert und nehme mir vor den Fitnessstand zu halten. Meine französischen Betreuer taten dann auch alles dafür. Mit viel Rotwein, Riccard und ausgiebigen, mehrgängigen Festessen war auf jedenfall der Kalorienhaushalt wieder auf Vordermann gebracht. Na denn prost...